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07.08.2012

Zum 90. Geburtstag

Caricatura zeigt Überblick über das Lebenswerk der Karrikaturistin Marie Marcks

(pia) Am 25. August wird die in Berlin geborene und heute in Heidelberg lebende Karikaturistin Marie Marcks 90 Jahre alt. Grund genug, fand Achim Frenz, Leiter des Caricatura Museums, „eine der größten deutschen Zeichnerinnen“ so richtig zu feiern: Ab Donnerstag, 9. August, bis 21. Oktober in der großen Geburtstagsausstellung „Marie Marcks“. Marie Marcks liefert mit ihrem Werk sechs Jahrzehnte unterhaltsamer, durchgängig hintergründiger und häufig bissiger Zeitkritik. Sie hat wesentlich dazu beigetragen, Themen wie Umweltschutz und Emanzipation im Bewusstsein der Deutschen zu verankern.

Zu sehen ist ein Überblick über ihr Lebenswerk und das Spektrum ihrer thematischen Arbeit. Die Auswahl wurde gemeinsam mit der Künstlerin für die Ausstellung zusammengestellt. Neben frühen Grafiken sind Karikaturen zu ihren Schwerpunktthemen zu sehen, die Marie Marcks als die deutsche Meisterin der Karikatur erkennen lassen. Dank der Unterstützung von Kuratoriums‐Mitglied Claus Wisser wurde die Sammlung des Caricatura durch einen Ankauf und eine Dauerleihgabe um insgesamt 46 Karikaturen erweitert, die ebenfalls im Rahmen dieser Ausstellung gezeigt werden. Ein weiterer Höhepunkt ist die Präsentation des gesamten ersten Teils von Marie Marcks gezeichneter Autobiographie „Marie, es brennt!“ von 1984.

Feine Tuschezeichnungen, Buntstiftskizzen oder Aquarelle, oft gepaart mit großen Sprechblasen, wirken heiter und fein, manchmal fast kindlich-naiv. Erst der zweite Blick offenbart die kritische Position, die Polemik und distanzierte Haltung der Künstlerin. Dabei gibt es durchaus Themen, mit denen Marie Marcks nichts am Hut hat: etwa Pornographie, die zumeist frauenfeindlich ist, auch Spott über fremde Religionen sind für sie tabu. Die christlichen Kirchen machte sie dagegen gerne zum Gegenstand kritischer Zeichnungen. Ihre Bildergeschichten, Karikaturen und Graphiken sind keine schreienden Anklagen. Selten verleiten sie zu lautem Gelächter, aber zum Nachdenken bringen sie.

Marie Marcks‘ große Zeit als einzige politische Karikaturistin der Republik begann in den 1960er Jahren. Das damalige gesellschaftliche Klima, die zunehmende Politisierung vor allem der jungen Generation, die immer lauter werdenden Einforderung des individuellen Rechts auf Mitbestimmung waren der Auslöser für die öffentliche Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitisch relevanten Themen. Ihre politischen Karikaturen waren und sind Aufforderungen zum Handeln. Sie wollte nach eigener Aussage verhindern, dass es zu einer der Nazi-Zeit vergleichbaren Situation kommt, in der die Menschen zwar gegen etwas sind, aber nichts dagegen tun.

Seither setzt Marie Marcks inhaltliche Schwergewichte wie Rüstung und Militär, Bildung und Erziehung, Emanzipation, Alter und Jugend, Rechtsextremismus, Innen- und Außenpolitik, Wissenschaft und Forschung in Zeichnungen, Karikaturen, Illustrationen, Bücher und sogar Filme um.

Marie Marcks Zeichnungen sind unter anderem 35 Jahre in der Süddeutschen Zeitung, oft in „Die Zeit“ und im „Vorwärts“, gelegentlich in „Titanic“, „Der Spiegel“ und „Brigitte“ erschienen. Zahlreiche Ausstellungen begleiten bis heute ihr Werk.