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07.08.2012

In Höchst lebt der Jazz

Die JazzFreunde Höchst beleben die Frankfurter Musikszene – Erinnerungen an Bill Ramsey

(pia) Frankfurt wurde in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts auch zu einer Jazz-Metropole. Der amerikanische Soldatensender AFN mit dem Sendezentrum in Frankfurt-Höchst war sicher einer der Gründe für die explosionsartige Ausbreitung der afroamerikanischen Rhythmen in der Mainmetropole. Auch deswegen feiert das Filmtheater Valentin am Montag, 27. August, am Höchster Bolongaropalast mit dem Auftritt von Musiklegende Bill Ramsey und einem Film über den AFN seine Wiedereröffnung.

v.l.: Norbert Häusser, Rudolf Hartleib, Bernd Irrgang, Birte Hecht
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Doch in Frankfurt-Höchst ist der Jazz nicht nur Geschichte, sondern „höchst lebendig“. Die „Jazzfreunde Höchst“ haben seit ihrer Gründung im Jahr 2005 viel getan, um der Jazz-Tradition des westlichen Stadtteils wieder eine Gegenwart und eine Zukunft zu geben. „Unsere Liebe gilt dem New Orleans-Jazz“, erklärt Rudolf H. Hartleib, der Vorsitzende der „JazzFreunde“. „Es ist der Rhythmus, die Spielfreude und die Soli, die an dieser Musik faszinieren“, ergänzt Schriftführer Bernd Irrgang.

Den „JazzFreunden“ ist es in den letzten Jahren gelungen, in Höchst die Jazzmusik wieder zu etablieren. Durch Konzerte auf dem Schlossplatz und seit Dezember 2008 im renovierten Schlosskeller. Bekannte Frankfurter Größen wie die „Red Hot Hottentots“, „Southern Cross“ oder „Harald Blöchers Tailgate Jazzband“ sind seitdem gern gesehene Gäste bei den „JazzFreunden“.

Der „Vater“ des Schlosskellers ist Norbert Häusser, der stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Der 69 Jahre alte Ruheständler hat als Gastronom das Höchster Schlosscafe aus der Taufe gehoben und mit vielen hundert Arbeitsstunden den Schlosskeller als Veranstaltungsstätte hergerichtet. Ein schmucker Gewölbekeller mit Bühne ist daraus geworden. Die ideale Heimstatt für Jazz, Folk und Kleinkunst. Und so ist der Veranstaltungskalender des Schlosskellers auch gut gefüllt.

Für dieses Jahr haben sich die „JazzFreunde“ etwas Besonderes ausgedacht. Am 9. September, dem „Tag des Denkmals“, wird auf der Schlossterrasse und im Burggraben ein Jazzfestival veranstaltet. Dies ist um so höher einzuschätzen, als der Verein finanziell nicht auf Rosen gebettet ist. „Wir können keine großen Gagen bezahlen, oftmals spielen die Musiker „für den Hut“, und am Ende finden sich vielleicht 60 Euro in der Kopfbedeckung“, sagt Jazzliebhaber Häusser.

Das Konzert mit Bill Ramsey sehen sie als eine schöne Sache an. Davon haben sie immer geträumt. Zumal Peter Schäfer, ein Freund des Vereins, bekannter Höchster Grafiker und Schöpfer des Schlossfest-Designs, Bill Ramsey noch aus dessen Zeit als Moderator und Produzent beim AFN im Höchster Schloss kennt. „Ich bin damals im Haus des AFN-Programdirektors Johnny Vrotsos ein- und ausgegangen. Am Küchentisch habe ich als 13-jähriger Bub zusammen mit Bill Erdnussbutterbrote geschmiert“, erinnert sich Schäfer lachend.

Doch schwelgen die Höchster Jazzfreunde nicht nur in der Vergangenheit, der Jazz in Höchst und Frankfurt soll auch eine Zukunft haben. „Wir sind mit dem Hoch’schen Konservatorium und der Jazzinitative Frankfurt wegen einer Jazz-Ausbildungskooperation und Auftrittsmöglichkeiten in Kontakt getreten“, erklärt Vorsitzender Hartleib. Der Jazz ist im Stadtteil also tatsächlich „höchst lebendig“.

Thomas Waldherr