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Dem Verbrechen auf der Spur

'Tatort Frankfurt'- Stadtführung mit Christian Setzepfandt

(pia) „Was geschah am 29. Oktober 1957 in der Wohnung am Eschenheimer Turm?“ – bei Christian Setzepfandts Stadtführung „Tatort Frankfurt“ ist kriminalistisches Gespür gefragt. Eingefleischte Frankfurter wissen schnell, um welchen Fall es sich handelt: Vor 53 Jahren wurde hier die Prostituierte Rosemarie Nitribitt ermordet - ein Fall, der bis heute nicht geklärt wurde. „Um halb drei empfing sie ihren letzten Kunden, danach wurde sie nicht mehr gesehen und die Putzfrau klingelte drei Tage verzweifelt“, rekonstruiert Setzepfandt ihren letzten Tag. „Die nicht geklärten Umstände ihres tragischen Todes geben natürlich noch heute Anlass zu Spekulationen und allerlei Geschichten, zumal sie mit vielen einflussreichen Männern verkehrte“, erzählt der Stadtführer. So kann auch Setzepfandt für diesen Fall keinen Täter präsentieren, dafür aber weitere Tatorte in Frankfurts Innenstadt.

"Mord und Totschlag geht immer“

Seit zwei Jahren gehören Verbrechen, Mord und Totschlag zu seinem Beruf. Mit Touristen und Neubürgern, aber auch Frankfurtern läuft er bei Wind und Wetter durch die Stadt und zeigt ihnen nicht nur den Nitribitt-Tatort. Der 53-Jährige begann schon während seines Kunstgeschichtsstudiums Stadtführungen anzubieten, im Laufe der Jahre hat er sich dabei viele besondere Aspekte erarbeitet: „Ich wollte weg von den gängigen touristischen Themen hin zu speziellen und außergewöhnlichen Geschichten“, erzählt er. Insgesamt 60 Themenführungen hat er mittlerweile im Repertoire, darunter auch die Kleinmarkthalle und den Hauptfriedhof. „Die Leute interessieren Kriminalgeschichten, Mord und Totschlag geht immer“, so Setzepfandt. Rund ein halbes Jahr recherchiert er für seine Führungen, die Geschichten dazu findet er in Monographien, Geschichtsbüchern und im Institut für Stadtgeschichte. Gerade im Fall Nitribitt steckt jedoch viel Eigenrecherche mit drin: „Ich habe mit dem ehemaligen leitenden Polizeikommissar gesprochen und mit dem Freund einer der Angeklagten“, erzählt er. Der Fall gehört zu seinen Lieblingskriminalgeschichten - nicht nur, weil er immer noch nicht geklärt ist, sondern weil Rosemarie Nitribitt ihn vor allem als Person fasziniert: „Wie eine Frau aus einfachen Verhältnissen sich sagte: ‚Ich mach was aus mir’, und sich nicht von den gesellschaftlichen Konventionen der Adenauer-Zeit beeindrucken lässt und anfängt, als Prostituierte zu arbeiten“ – das ist schon beeindruckend und interessant, so Setzepfandt.

Tatort-Führungen: Christian Setzepfandt auf der Zeil,  © PIA Stadt Frankfurt am Main
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„Mit dem Fingerabdruck überführt“

Insgesamt 30 Tatorte mit den passenden Geschichten hat er im Laufe der Jahre "gesammelt". „Hat man erstmal die einzelnen Fälle, muss man sich nur noch über die Logistik Gedanken machen. Wie laufe ich am besten, damit die Orte nicht zu weit auseinander liegen“, erklärt der Stadtführer seine Herangehensweise. So folgt auf die Nitribitt ein Tatort auf der Zeil, wo 1904 der Klavierhändler Lichtenstein ermordet wurde. „Das ist deshalb ein besonderer Fall, weil hier zum ersten Mal Fingerabdrücke genommen wurden und man den Täter so überführen konnte“, so Setzepfandt. Seine Fälle reichen zurück bis in das 18. Jahrhundert, aber auch Fälle aus der jüngeren Vergangenheit kommen auf seiner Tour vor. Und die müssen nicht immer mit dem Tod enden: „Ich habe beispielsweise auch den Fall des Immobilienunternehmers Jürgen Schneider mit im Repertoire, weil eines seiner Objekte immer noch hier auf der Zeil steht." Zum Abschluss jeder Führung geht es dann in die Bar Louisiana auf einen Cocktail – ganz ohne Mord und Totschlag.

Weitere Informationen

Die nächsten Führungen „Tatort Frankfurt - Frankfurter Kriminalfälle & Rechtsgeschichte“ finden am 9., 11. und 16. August jeweils um 18.30 Uhr statt. Die Gebühr pro Führung beträgt 12 Euro und beinhaltet ein Erfrischungsgetränk. Dauer: 1,5 Stunden. Treffpunkt: 15 Minuten vor Führungsbeginn an der traffiQ-Verkehrsinsel, Zeil 129/Hauptwache. Für die Führung speziell zu „Rosemarie Nitribitt“ hat Christian Setzepfandt am 2. und 23. September um 18.30 Uhr noch Plätze frei. Die Führung kostet 10 Euro und dauert 1,5 Stunden. Treffpunkt: 15 Minuten vor Führungsbeginn am Haupteingang des Frankfurter Hauptbahnhofs. Anfragen, Buchungen sowie weitere Führungen mit Christian Setzepfandt unter www.journal-frankfurt.de.

Jana Kremin