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12.08.2008

Des Pudels poetische Kerne

„goethe ffm“ – die Festwoche zu Ehren des Dichters

Nach dem großen Erfolg von 2007 feiert Frankfurt seinen Goethe erneut mit einer Festwoche. "KUNST - MACHT - BILDUNG" lautet diesmal das Motto des bunten und umfangreichen Veranstaltungs-Kaleidoskops mit Theater, Musik, Puppenspiel, Film, Lesungen und Ausstellungen an zahlreichen Orten in der Stadt.

Frankfurt am Main (pia) Da ist er wieder: der berühmte Pudel aus Goethes "Faust", der, wie schon 2007, als unverkennbares Logo das Programm der Festwoche zu Ehren des in Frankfurt geborenen Dichters ziert. "goethe ffm" heißt es nach dem erfolgreichen Auftakt im Vorjahr nun also zum zweiten Mal, und vom 28. August bis zum 7. September öffnet sich "des Volkes wahrer Himmel" (ebenfalls "Faust") dem erwartungsvollen Publikum wieder mit einer Fülle von spannenden Veranstaltungen. "Kunst macht Bildung" stellten die Initiatoren diesmal als Motto über die festliche Woche. Dabei haben sich der Kooperation von schauspielfrankfurt, Freiem Deutschem Hochstift/Goethe-Museum und dem Kulturamt der Stadt Frankfurt diesmal auch das Deutsche Filminstitut/Filmmuseum, das Institut für Stadtgeschichte, das Museum für Kommunikation, das Theater Willy Praml und das Volkstheater Liesel Christ angeschlossen.

Einladung zur „Bildungsreise“

"Bildung ist das Thema der Zeit" heißt es im gemeinsamen Vorwort der Veranstalter zum umfangreichen Programm. Damit verbinden sie zugleich die Frage, "was Goethe eigentlich unter Bildung verstand und wie er sich ein ganzes Leben lang zu bilden versuchte". Um das heraus zu finden, laden sie ein zur einwöchigen "Bildungsreise", der es "an Bedenkenswertem und Staunenswerten nicht fehlen wird".

Die Mutter und die Malerin

Gleich eingangs gibt es ein Jubiläum: den 200. Todestag von Goethes Mutter Catharina Elisabeth, die am 13. September 1808 verstarb. Ihr, die nicht nur "Dichtermutter" war, sondern auch eine Repräsentantin Frankfurter Stadtgeschichte, ihrer Rolle als "Frau Aja" und ihrer von Mutterwitz, Bürgerstolz und Bodenständigkeit geprägten Persönlichkeit widmet das Goethe-Museum vom 27. August bis 31. Dezember eine umfangreiche Ausstellung. Ebenfalls hier erinnert am 30. August eine Lesung an die Malerin Angelika Kauffmann und ihre römische Zeit mit Johann Wolfgang von Goethe.

Jede Menge „Faust“

Was wäre eine Festwoche zu Goethes Ehren ohne seinen "Faust"? Dieses vielschichtige Werk erscheint gleich mehrfach und in den unterschiedlichsten Facetten im Veranstaltungskalender. So gastiert das Schauspiel Hannover am 30. und 31. August mit "Faust. Kunstwerk Mensch - Ein Cursus in zwei Teilen" unter der Regie von Sebastian Baumgarten, der eine Art multimedialer Collage mit Show-, Session- und Performance-Elementen als Trip durch das Drama inszeniert. Wem die Wortschöpfung "Melolog" bislang unbekannt ist, findet am 31. August Gelegenheit, Näheres zu erfahren. Im Konzert für Sprechstimme und Klavier interpretiert der Regisseur Peter Stein Verse und wird dabei von dem Pianisten Giovanni Vitaletti begleitet. Das Ganze unter dem Titel "Faust Fantasia".

Kräne, Ketten, Winden

Was das "Teatrul National Radu Stanka" im rumänischen Sibiu (Hermannstadt), das 2007 Europäische Kulturhauptstadt war, aus dem alten, immer wieder neuen Stoff gemacht hat, ist am 4., 5. und 6. September im Bockenheimer Depot zu sehen. Wobei neben rund achtzig Mitwirkenden in 150 Rollen auch Waggons, Kräne, Ketten und Seilwinden "mitspielen". Mit einer Deutschland-Premiere "Faust auf Faust" kommt das Berliner Puppenspielensemble "Das Helmi" am 29. und 30. August ins schauspielfrankfurt und präsentiert in seiner besonderen Version allerhand absurde Einfälle zum Thema. Und weiter geht’s, nochmal mit Puppentheater am 6. September im Goethe-Museum, wo die Freiburger Puppenbühne die Dichtung zu ihrem Ursprung zurückholt, denn bekanntlich fühlte sich der junge Goethe durch ein Puppenspiel zur lebenslangen Beschäftigung mit dem "Faust"-Stoff inspiriert. Unter dem Wort-Ungetüm-Titel "Fausteinsinzweistundenfürdreistimmenundklavier" werfen Michael Quast und Philipp Mosetter, musikalisch begleitet, abgrundtiefe Blicke ins deutsche Nationalepos. (2. September/Goethe-Museum).

Film-Raritäten

In der Rolle seines Lebens, dem "Mephisto", ist am 28. August im Deutschen Filmmuseum der Schauspieler Gustav Gründgens in dem Film "Faust" von 1960 neben Will Quadflieg und Elisabeth Flickenschild zu sehen. Eine Rarität dürfte der Film "Faust" von 1926 sein, mit dem Friedrich Wilhelm Murnau auf die deutsche Volkssage zurückgriff. (31. August / Deutsches Filmmuseum). Neben Lesungen, Podiumsgesprächen, der Premiere von "Torquato Tasso" und einem Jugend-Projekt gibt es am 28. August auf dem Goetheplatz ein Festmahl für Frankfurter Bürger, für das man allerdings Reservierungen braucht. Essen ist schließlich auch ein Kulturgut, und der gute Johann Wolfgang soll leiblichen Genüssen ja durchaus nicht abgeneigt gewesen sein.

Lore Kämper

Informationen: www.schauspielfrankfurt.de / www.goethehaus-frankfurt.de und www.frankfurt.de