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05.02.2018

Vortrag zur NS-Geschichte des Senckenberg-Forschungsmuseums und seiner Selbstdarstellung in der Nachkriegszeit im Institut für Stadtgeschichte

Senckenberg-Generaldirektor Volker Mosbrugger (l) und Autor Andreas Hansert (r) stellen das neue Buch 'Das Senckenberg-Forschungsmuseum im Nationalsozialismus.Wahrheit und Dichtung' vor, Januar 2018, © Senckenberg / Tränkner
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(kus) Am Montag, 12. Februar, referiert der Soziologe Andreas Hansert zum Thema „Das Senckenberg-Forschungsmuseum Frankfurt im Nationalsozialismus. Wahrheit und Dichtung“ im Institut für Stadtgeschichte. Der Vortrag gehört zum Rahmenprogramm der Jubiläums-Sonderausstellung „200 Jahre Leidenschaft für Natur und Forschung“, die noch bis 11. Februar im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt zu sehen ist. Die Ausstellung entstand als Kooperationsprojekt des Instituts für Stadtgeschichte mit der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und dem Historischen Museum Frankfurt.

Im Vortrag gibt Hansert einen Einblick in das Handeln des Senckenberg-Forschungsmuseums in der Zeit des Nationalsozialismus. Dies war nach seinen neuesten Forschungen geprägt von Kooperation, Abkehr und späterer Leugnung. Der Referent rekonstruiert die komplexen Hintergründe für die schnelle Bereitschaft der Verantwortlichen, mit den NS-Behörden zu kooperieren und das Führerprinzip am Haus zu etablieren. Im Verlauf der NS-Zeit zeichnete sich jedoch allmählich eine Abkehr von der NS-Ideologie ab, besonders angesichts der Behandlung des Ehrenpräsidenten Arthur von Weinberg, der im Lager Theresienstadt zu Tode kam. Behaupten konnte sich die Forschungsinstitution durch die am Haus betriebene Forschung im Bereich der kriegswichtigen Erdölindustrie.

Nach dem Krieg stellten die Verantwortlichen am Senckenberg sich als NS-Gegner von Anfang an dar. Um diese Lesart zu befördern, schreckte Direktor Rudolf Richter nicht vor einer beschönigenden Neufassung der auf die Jahre 1933 bis 1944 datierten Protokolle des Führerbeirats zurück.

Seit Oktober 2016 verwahrt das Institut für Stadtgeschichte das Archiv der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Es umfasst bereits mehr als 50 Regalmeter und wird durch weitere Abgaben noch anwachsen. Das bereits erschlossene Archivgut steht im Lesesaal für Forschungen zu Verfügung. Ein von der DFG gefördertes Digitalisierungsprojekt wird den Zugang zu einem Teil der Archivalien zukünftig ortsunabhängig ermöglichen.

Die Veranstaltung beginnt um 18.30 Uhr im Dormitorium im Institut für Stadtgeschichte, Münzgasse 9, 60311 Frankfurt am Main. Die Teilnahme kostet 4 Euro, ermäßigt 3 Euro. Weitere Informationen unter http://www.stadtgeschichte-ffm.de und http://www.geschichte-frankfurt.de .