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03.11.2017

‚Wenn, dann richtig‘ – Antibiotika verantwortungsvoll einsetzen bei Harnwegsinfektionen“

Pressekonferenz mit Prof. Dr. Ursel Heudorf (MRE-Netz Rhein-Main), Dr. Arne Behm (Hessische Urologen Genossenschaft), Dr. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach (Präsident der Landesärztekammer Hessen) und Dr. Wolfgang LangHeinrich (Kassenärztlichen Vereinigung Hessen) zum Thema 'Wenn, dann richtig- Antibiotika verantwortungsvoll einsetzten bei Harnwegsinfektion', 3. November 2017, © MRE-Netz Rhein-Main
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(kus) Um die weitere Entwicklung von Antibiotikaresistenzen zu vermindern und Betroffenen unnötige Antibiotikagaben zu ersparen, müssen Antibiotika zurückhaltender und zielgerichteter eingesetzt werden. Antibiotika werden am häufigsten bei Infektionen der Atemwege und der Harnwege verschrieben. „Deswegen startet das MRE-Netz Rhein-Main jetzt das Projekt „Wenn, dann richtig – Antibiotika verantwortungsvoll einsetzen bei Harnwegsinfektionen“.

„Auf der Grundlage der neuen wissenschaftlichen Leitlinie zu Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten 2017 haben wir in Zusammenarbeit mit der Hessischen Urologen e.G. das Projekt entwickelt“, berichtet Prof. Ursel Heudorf, die Vorsitzende des Netzwerks. Es ist quasi das Folgeprojekt des 2015 gestarteten Projekts „Weniger ist mehr – Antibiotika verantwortungsvoll einsetzen bei Atemwegserkrankungen“, das weiter läuft.

„Wichtiges Kernstück des neuen Projekts ist ein Flyer mit leicht verständlichen Informationen für Patienten, der durchaus Sparpotential bei Antibiotika für Harnwegsinfektionen zeigt. So sind 70 Prozent aller Patienten mit einer unkomplizierten Blasenentzündung nach einer Woche mit symptomatischer Schmerzmitteltherapie beschwerdefrei. Zur Vermeidung wiederkehrender Infekte können auch pflanzliche Medikamente und Immunprophylaktika eingesetzt werden. Das sollen die Patienten wissen“, stellt Arne Behm, Vertreter der Hessischen Urologen Genossenschaft fest. Aber: „Wenn ein Antibiotikum erforderlich ist, dann muss es das richtige sein, eines, das gegen den Infektionserreger wirksam ist. Dabei gilt es einerseits bestehende Resistenzen gegen manche bisher üblichen Antibiotika zu beachten, andererseits aber auch durch kluge Auswahl der Medikamente den Druck auf die Bildung weiterer Resistenzen zu vermeiden.“

In diesem Ziel wird das Projekt des Netzwerks von weiteren wichtigen Partnern, mitunter der Landesärztekammer Hessen und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) des Bundeslandes, unterstützt. Kammerpräsident Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach stellt fest: „Die Landesärztekammer hat als eine der ersten Kammern ein Fort- und Weiterbildungsprogramm für Ärzte zum Umgang mit Antibiotika gestartet, das so genannte Antibiotic Stewardship, und führt Fortbildungen für Ärzte zum sachgerechten Antibiotika-Einsatz durch. Im vergangenen Jahr haben wir mit dem MRE-Netz Rhein-Main eine Umfrage bei den niedergelassenen Ärzten zum Umgang mit Antibiotika durchgeführt, die interessante Ergebnisse erbracht hat, unter anderem den Wunsch nach weiteren Fortbildungsangeboten. Dem kommen wir gerne nach.“

Die KV berät ihre Mitglieder regelmäßig zu Fragen der Antibiotikatherapie. „Der Einsatz von Antibiotika hat bei den hessischen Kassenärzten in den letzten Jahren leicht abgenommen“, berichtet Wolfgang LangHeinrich von der KV Hessen. „Dennoch wird auch die KV Hessen in ihren Bemühungen nicht nachlassen, hier weitere Verbesserungen anzustoßen und zu begleiten. Wie bei der letzten Aktion auch, machen wir unsere Ärzte auf das Projekt aufmerksam und übernehmen die Kosten für den Druck und die Verteilung des Flyers bei unseren niedergelassenen Ärzten.“ Die Präsidentin der Apothekerkammer Hessen, Ursula Funke, hat wieder die Verteilung in die Apotheken zugesichert. Das MRE-Netz Rhein-Main gibt die Flyer darüber hinaus ebenfalls kostenlos ab an Krankenhäuser, Arztpraxen und weitere medizinische und soziale Einrichtungen der Region.

Das MRE-Netz Rhein-Main wurde 2010 gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt, durch rationalen Einsatz von Antibiotika die Entstehung von Antibiotikaresistenzen und durch angemessenen Umgang mit Patienten, die mit antibiotikaresistenten Erregern besiedelt oder infiziert sind, die Weiterverbreitung dieser Erreger zu vermindern. Es bietet ein Informationsangebot, darunter ein Hilfe-Telefon unter 069/212-48884, die Internetseite des MRE-Netz Rhein-Main und weitere Informations- und Fortbildungsveranstaltungen.