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15.08.2017

Der Börneplatz-Konflikt 1987 revisited

Bürgerproteste während des Börneplatz-Konfliktes 1987, © Jüdisches Museum Frankfurt, Foto: Klaus Malorny
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Symposium zum 30. Jahrestag der Auseinandersetzung am Börneplatz mit Aufruf an Zeitzeugen

(kus) Die archäologischen Funde am Frankfurter Börneplatz lösten 1987 eine öffentliche Auseinandersetzung aus, in der erstmals in der Bundesrepublik Deutschland über die Frage gestritten wurde, wie nach dem Holocaust mit Zeugnissen deutsch-jüdischer Geschichte umzugehen sei.

Anlässlich des 30. Jahrestags der Auseinandersetzung am Börneplatz veranstalten das Fritz Bauer Institut und das Jüdische Museum Frankfurt am Sonntag, 20. August, ab 13.30 Uhr, ein Symposium im Museum Judengasse. Es werden die verschiedenen Perspektiven in der jüdischen Gemeinde thematisiert und die damals diskutierten Deutungsfragen aufgegriffen. Zugleich soll der Börneplatz-Konflikt zeitgeschichtlich eingeordnet werden.

Im Zentrum der vehementen Proteste gegen die Errichtung eines Stadtverwaltungsgebäudes auf den Ruinen der Judengasse und der Börneplatzsynagoge standen nicht nur die politischen Forderungen, dass die Stadtregierung Frankfurts historisches Verantwortungsbewusstsein zeigen und die Spuren jüdischen Lebens aus der Frühen Neuzeit bewahren solle. Es ging auch um die Deutung des ersten jüdischen Ghettos in Europa.

Das Programm des Symposiums beginnt um 13.30 Uhr mit einer Begrüßung durch Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, und Prof. Dr. Sybille Steinbacher, Direktorin des Fritz Bauer Instituts. Die Direktorin des Jüdischen Museums Mirjam Wenzel führt in das Symposium ein. Daran schließt sich um 14 Uhr der Vortrag von Tobias Freimüller, dem stellvertretenden Direktor des Fritz Bauer Instituts, an, mit dem Titel: „Renationalisierung des Geschichtsbildes? Wie hängt der Börneplatz-Konflikt mit dem Historikerstreit und der Gründung des Deutschen Historischen Museums zusammen?“.

Um 14.45 Uhr beschäftigt sich Cilly Kugelmann, ehemalige Programmdirektorin des Jüdischen Museums Berlin, mit der Frage: „‚Offene Wunde‘ oder ‚Museum‘: Wird Geschichte durch Musealisierung ‚entsorgt‘?“. Der Londoner Historiker Joseph Cronin reflektiert in seinem Vortrag um 16 Uhr die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Fassbinder-Streit und Börneplatz-Konflikt.

Der Frankfurter Architekt Prof. Nikolaus Hirsch fragt um 16.45 Uhr mit Bezug auf die von ihm mitkonzipierte Gedenkstätte Neuer Börneplatz, inwieweit sich ein Denkmal zur Geschichtsdeutung eigne. Zum Abschluss des Symposiums um 17.30 Uhr diskutieren Prof. Dr. Salomon Korn und Prof. Dr. Micha Brumlik über die Bedeutung des Konflikts innerhalb der jüdischen Gemeinde Frankfurts und über diese hinaus. Fritz Backhaus, stellvertretender Direktor des Jüdischen Museums, wird das Gespräch moderieren.

Der 30. Jahrestag der Auseinandersetzungen am Börneplatz bildet zugleich auch den Anlass für einen Sammlungsaufruf des Jüdischen Museums. Zeitzeugen des Konflikts, insbesondere Teilnehmende an den Protesten, sind eingeladen, an dem Tag ins Museum Judengasse zu kommen, ihre Erinnerungen mit anderen zu teilen und dem Museum Fotos, Dokumente, Transparente und Flyer von den Ereignissen zu stiften.

Die Museumskuratoren werden von 10 bis 19 Uhr Erinnerungsstücke entgegennehmen und die Geschichten dazu festhalten. Der Hörfunk-Journalist Jochanan Shelliem zeichnet die Erzählungen als Tonaufnahme auf. Nähere Auskünfte zu dieser neuartigen Sammlungsaktion erteilt im Vorfeld der stellvertretende Direktor Fritz Backhaus unter Telefon: 069/212-38804.

Der Hessische Rundfunk ist Medienpartner des Symposiums. Der Eintritt ins Museum Judengasse ist an diesem Tag frei.