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02.05.2007

Häuser für die Ewigkeit

Palmengarten geht auf die Spur des „Mythos Pyramide“

Dem alten, aber immer wieder faszinierenden Thema "Ägypten" widmet sich in diesem Sommer eine Sonderausstellung. Es geht um Pyramidenbau, Totenkult, Jenseitsvorstellungen und die Ausstrahlung dieser Kultur auf andere Länder. Naturgemäß spielen in einer Anlage wie dem Palmengarten auch die ägyptischen Einflüsse auf europäische Landschaftsgärten eine Rolle.

© Palmengarten
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Frankfurt am Main (pia) Ägypten ist fern. Aber immer schon haben die vor Jahrtausenden geschaffenen, gewaltigen steinernen Monumente, in denen ägyptische Herrscher einst einem erhofften ewigen Leben entgegen schliefen, die Menschen fasziniert und Forscher zur Aufdeckung darin vermuteter Geheimnisse inspiriert. Wer mehr über Kultur und Lebenswelt des alten Pharaonenlandes erfahren möchte, findet bald Gelegenheit dazu im näher gelegenen Frankfurter Palmengarten. Hier ist vom 10. Mai bis zum 30. September die in Kooperation mit der Universität Potsdam erarbeitete große Sonderausstellung "Die Pyramiden - Häuser für die Ewigkeit" zu sehen. Sie geht dem Mythos Pyramide und seiner bis heute ungebrochenen Ausstrahlung auch auf unseren Kulturkreis nach und zeichnet dabei die Baugeschichte der sechzehn wichtigsten Pyramiden nach.

Betritt Besucher die große Halle im hinteren Teil des Gartens, führt ihn zunächst ein an Unterwelten erinnernder, dunkler Gang in den ersten Raum. Dort erläutert ein "Zeitstrahl" historische Zusammenhänge und führt kurz in die Entwicklungen im Niltal ein. Da steht am Anfang die älteste aller Pyramiden, die berühmte Stufenmastaba von Sakkara, mit der sich Pharao Djoser als erster Herrscher Ägyptens ein solches "Ewigkeitshaus" errichten ließ. Weiter geht es zum Plateau von Gizeh, wo die drei bekanntesten Pyramiden der Könige Cheops, Chefren und Mykerinos unter mehreren anderen hervorragen. Die begehbare Replik einer Grabkammer, ein aus dem Museum Hildesheim geliehener Sarkophag und ein Modell der Sonnenbarke des Cheops zeugen eindrucksvoll vom Leben im alten Ägypten, von seiner Grabkultur und den Jenseitsvorstellungen seiner Menschen. Unter den mehr als 150 Exponaten befinden sich das komplette Faksimile eines Totenbuches, Alabastergefäße, Kanopenkrüge (Behälter für die Bestattung von Eingeweiden), Statuen, Werkzeuge und Reliefs.

In der Folge lässt sich erkennen, wie eine Idee ihr Land verließ. Zunächst griffen in der Antike die Menschen rund ums Mittelmeer den Gedanken des Pyramidenbaus auf. Im heute türkischen Halikarnassos, in Meroe und natürlich in der Weltstadt Rom begeisterte man sich dafür. Schon im Jahr 11 v.Chr. ließ sich Praetor Gaius Cestius eine 36 Meter hohe Pyramide als Grabmal errichten. Dieses wiederum wurde zum Vorbild für spätere Ägypten-Fans in vielen Ländern, vor allem auch in der Gartenbaukunst. So finden sich heute in Hessen zwei Pyramiden à la Cestius: auf der Kasseler Wilhelmshöhe, erbaut um 1776 und im Landschaftspark von Hanau-Wilhelmsbad von 1784. Nicht alle kleineren gekrönten Häupter gingen allerdings so weit wie der Fürst von Pückler-Muskau, der in seinem Park Branitz an der Spree zwei Erdhügel zu Pyramiden aufschütten und in einer davon sein Herz und seine Gemahlin bestatten ließ, eine Pyramide als Grabmal ließ sich auch Prinz Heinrich von Preußen, Bruder Friedrichs des Großen, im Schlosspark von Rheinsberg errichten.

Ein spannendes Kapitel ist die Pyramidenforschung, ausgehend von frühen Reiseberichten bis zu den wissenschaftlichen Methoden des 21. Jahrhunderts. Von Franzosenkaiser Napoleon oder Richard Lepsius, dem Begründer der Ägyptologie, stammen erste Dokumentationen. Als "Forscher" von heute präsentiert sich der Miniroboter Upuat II., mit dem im Jahr 2002 Rudolf Gantenbrink das Gangsystem der Cheopspyramide durchfuhr, wobei ihn Millionen Menschen in über 140 Ländern live am Fernseher begleiteten.

Natürlich spielt in einer Anlage wie dem Palmengarten auch die ägyptische Pflanzenwelt eine besondere Rolle. Rund um die Ausstellungshalle und in anderen Teilen des Gartens wird der Besucher dem Thema "Ägypten" auf Schritt und Tritt begegnen. Feigen, Granatapfelbäume, Aloe und Doumpalmen, sowie alte Gräser und Nutzpflanzen, Lotus und Papyrus gediehen schon in ferner Vergangenheit an den Ufern des Fruchtbarkeit spendenden Nilstromes. Auch Knoblauch gab es bereits. Und angeblich mussten die beim Bau der Pyramiden von Gizeh beschäftigten Arbeiter größere Mengen davon essen, um ihre Muskeln und Abwehrkräfte zu stärken, was ihnen aber leider den Spottnamen "die Stinkenden" eintrug. Eine Knoblauchzehe soll sogar in der Cheopspyramide eingemauert worden sein. Aber auch dieses Geheimnis ist noch nicht erforscht.

Lore Kämper



Palmengarten: "Die Pyramiden - Häuser für die Ewigkeit", 10. Mai bis 30. September 2007. Informationen und Fotos: Teil.: 069/212-35247. E-Mail: rita.freye@stadt-frankfurt.de