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06.05.2014

Brücke zwischen den Kontinenten

Chinesische Touristen auf dem Römerberg, März 2014, © Foto: PIA/Stefan Maurer
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Aufschwung am Handelsplatz Frankfurt

Die Chinesen kommen? Nein. Sie sind längst da. Mehr als 3.000 von ihnen leben und arbeiten in Frankfurt. Zehntausende machen jedes Jahr als Touristen oder Geschäftsleute Station in der Stadt. Flughafen, Luxusläden, Städel und Goethe, die Messe und die Banken ziehen die Gäste aus Fernost an. Jetzt ist das Finanzzentrum Frankfurt auf dem besten Weg zu der Drehscheibe für die chinesische Währung Renminbi im Euro-Raum zu werden.

Frankfurt am Main (pia) Der Zuschlag für die Einrichtung des Handelszentrums begeistert Wirtschaft und Politik. Von der wichtigsten Entscheidung seit Ansiedlung der Europäischen Zentralbank spricht Lutz Raettig, Sprecher des Präsidiums von Frankfurt Main Finance. Die Finanzplatzinitiative gehörte zu den zahlreichen Institutionen, die sich gemeinsam für das Handelszentrum eingesetzt hatten. Stadt, Land, Bund, Industrie- und Handelskammer, Unternehmen, die Bundesbank und die Finanzwirtschaft zogen und ziehen in Sachen Renminbi an einem Strang. „Dass Frankfurt die erste Clearingstelle im Euroraum bekommen wird, hilft unseren Mittelständlern im China-Geschäft und stärkt den Finanzplatz Frankfurt. Davon profitiert unsere ganze Volkswirtschaft“, fasst Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir zusammen.

Kurze Wege, wenig Kosten

Bisher ist die auch als Yuan bekannte chinesische Währung nicht frei handelbar. Deshalb müssen ausländische Firmen, die Geschäfte mit dem Reich der Mitte abwickeln, sich erst Renminbi besorgen. Bislang geschieht dies häufig über Banken in Hongkong. Der Umweg kostet Zeit, Geld und birgt Risiken – Faktoren, die die Geschäfte schwierig gestalten. Mit der Unterschrift unter den Vertrag zur Gründung des Renminbi-Handelsplatzes in Frankfurt ist ein wichtiger Schritt getan, es europäischen Firmen, aber auch chinesischen Unternehmen, einfacher zu machen.

Die Deutsche Bundesbank, © PIA Stadt Frankfurt am Main
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Richtig los geht es, sobald China in der Mainmetropole die sogenannte Clearingbank installiert hat. Ausgeguckt wird die Niederlassung einer chinesischen Bank in Deutschland. So ist der Zugang sowohl zum europäischen und wie zum chinesischen Zahlungssystem gewährleistet. Über die Clearingbank können sich Unternehmen dann direkt Yuan beschaffen, Konten führen lassen und Zahlungen abwickeln. Außerdem dürfe das Geldhaus Renminbi-Kredite einräumen oder Yuan gegen Euro tauschen, erläutert die Bundesbank. Durch das Bündel der Zahlungen an einem Ort sparen die Firmen Kosten.

Günstige Zeitzone

Für Frankfurt bringt die Yuan-Drehscheibe einige Vorteile. Die Stadt am Main „bekommt die Chance, ihre Stellung unter den globalen Finanzmärkten zu sichern und auszubauen“, findet Lutz Raettig. Die Konkurrenz ist hart: London und New York stehen an der Spitze – und London bekam fast zeitgleich mit Frankfurt ebenfalls den Zuschlag zum Aufbau eines Renminbi-Handelsplatzes. Die Entscheidung der chinesischen Regierung pro Frankfurt erklärt Raettig vor allem mit der am Main praktizierten engen Zusammenarbeit von Finanzwirtschaft und Unternehmen sowie der gebündelten Kompetenz für den Zahlungsverkehr. Zudem seien Banken und Börse international führend in Stabilität, Leistungsfähigkeit und kosteneffizienter Infrastruktur. Ein zusätzlicher Pluspunkt für die Mainmetropole ist ihre Lage in der Zeitzone zwischen dem frühen Devissen- und Börsenhandel in Asien und dem späten in Amerika – Frankfurt bildet quasi die Brücke zwischen den Kontinenten. Ein weiterer Vorteil für die Stadt heißt neue Arbeitsplätze: Nicht nur bei der Clearingbank und weiteren Geldhäusern, sondern auch bei Dienstleistern wie Anwälten, Beratern oder IT-Firmen könnten Stellen entstehen.

Logo Bank of China, © Bank of China
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'Go-global'-Strategie aus Asien

Mit der Etablierung des Handelszentrums gewinnt auch die chinesische Seite. Sie setzt in erster Linie auf eine „Beschleunigung der Internationalisierung des Renminbi und darauf, dass der Handel in Zukunft noch weiter belebt wird“, wie es Bo Feng von der Bank of China in Frankfurt formuliert. Im Klartext: China will die Reputation seiner Währung verbessern. Deutschland bildet dabei eine wichtige Basis, weil das Land im Zahlungsverkehr mit dem Reich der Mitte europaweit vorne liegt: Im vergangenen Jahr wurden Waren im Wert von 130 Milliarden Euro ausgetauscht. Bis 2015 soll der Wert nach Chinas Willen auf rund 200 Milliarden Euro wachsen – der erwartete Aufschwung birgt jede Menge Potenzial für den Handelsplatz Frankfurt. Zumal die Chinesen im Rahmen ihrer „Go global“-Strategie hier zu Lande weiter kräftig investieren wollen. Deutschland punktet mit ähnlichen Vorzügen wie das Finanzzentrum Frankfurt. Gutes Investitionsklima, qualifiziertes Personal, Produktqualität und erfolgreiche Industrieunternehmen mit zukunftsträchtigen Produkten zählt Bo Feng auf. Mehr als 2000 chinesische Unternehmen sind bereits in Deutschland aktiv, fast 380 von ihnen sitzen im IHK-Bezirk Frankfurt.

Eine Anleihe namens 'Goethe'

Die Bundesbank denkt an die Zukunft. Sie plant ein Renminbi-Clearing-Haus, das die Arbeit der Clearingbank erweitern könnte. Banken, die sich beteiligen, sollen Miteigentümer werden und die Geschäftspolitik mitbestimmen können. Seit Ende 2013 beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe mit dem Vorhaben. Beteiligt sind neben Banken die Deutsche Börse und der Finanzdienstleister SWIFT. Das erste Renmimbi-Produkt des Finanzplatzes Frankfurt wird schon gehandelt. Es ist eine Anleihe mit dem schönen Namen Goethe.

Margarete Lausberg