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Gutachten Momentaufnahme: Stärken und Schwächen des GrünGürtels

Es folgt ein Originalauszug aus dem Gutachten "Momentaufnahme GrünGürtel Frankfurt", erstellt vom Projektbüro Friedrich von Borries im Auftrag des Umweltdezernats der Stadt Frankfurt am Main im Jahr 2010.

Stärken

Viele der bei der Gründung des GrünGürtels definierten Ziele – von der Raumfigur bis hin zum Schutz der regionaltypischen Landschaftsformen – wurden erreicht.

Der GrünGürtel wird von vielen Bürgern intensiv genutzt. Der GrünGürtel ist ein heterogener Raum; er ermöglicht eine Vielzahl unterschiedlicher Nutzungen.

Mit Rad- und Wanderwegen, Kunstwerken und Lernorten werden im GrünGürtel unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen Anbindungspunkte geschaffen.

Das Programm "Entdecken, Forschen und Lernen im Frankfurter GrünGürtel" wurde schon zum dritten Mal als offizielles Projekt der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung"
ausgezeichnet.

Das Projekt GrünGürtel ist politisch parteiübergreifend fest in der Stadt verankert. Seine Verfassung schützt den Grünraum.

Die Stadt Frankfurt ist in umweltpolitischen Fragen schon weit entwickelt (CO2-Ziele, nachhaltige Forstwirtschaft, Fortführung des GrünGürtels). Viele Projekte, die sich andere Städte als "green labels" für die kommenden Jahre vornehmen, erfüllt Frankfurt schon heute.

Die Stadt Frankfurt kennt ihre grünen Potenziale und Schwachstellen gut (Klimagutachten, Biotopkartierungen).

Frankfurt hat eine solide Haushaltsführung; nachhaltige und langfristig wirksame Projekte können verwirklicht werden.

Frankfurt ist heute eine sehr grüne Stadt, sie hat quantitativ und qualitativ viel Grün zu bieten – der GrünGürtel ist dabei ein wichtiger Stabilisator.

Schwächen

Auch wenn der GrünGürtel als Teil einer Stadtlandschaft verstanden wurde, introvertierte sich der planerische Blick bei der weiteren Entwicklung; der GrünGürtel wurde vorwiegend aus sich selbst heraus gedacht, die gesamtstädtische Bedeutung als selbstverständlich hingenommen.

Der GrünGürtel ist durch diverse Infrastrukturen (Autobahnen, Bundesstraßen, Bahntrassen) geprägt. Daraus resultierende Problemstellungen wie zum Beispiel Lärm wurden bei der Planung und Kommunikation des GrünGürtels tendenziell ausgeblendet, weil sie als gesamtstädtische Fragestellungen nicht vom GrünGürtel "gelöst" werden können. Maßnahmen für einen gestalterischen Umgang mit diesen limitierenden Faktoren gibt es nicht.

Ein- und Ausgänge, Schwellen und Verknüpfungen des GrünGürtels mit der Stadt sind schlecht entwickelt: Ein gesamtstädtisches Leit- und Orientierungssystem für den GrünGürtel fehlt.

Teilgebiete des GrünGürtels sind übernutzt.

Obwohl die Grünräume der Stadt Frankfurt im nationalen und internationalen Vergleich eine hohe Qualität aufweisen und sie von den Bürgern auch intensiv genutzt werden, sind die Frankfurter Bürger mit dem städtischen Grünraum-Angebot weniger zufrieden als Bürger anderer, schlechter ausgestatteter Städte.

Soziale Fragen standen bislang eher am Rande der Entwicklungsvorhaben im GrünGürtel.

In der internationalen Selbstdarstellung fokussiert Frankfurt auf die Themenfelder "Bankenmetropole", "Mainhattan" und "Kultur". Die Grünraumqualität spielt in der Selbstdarstellung – und in der Selbstwahrnehmung – eine untergeordnete Rolle.

Fazit

Der Frankfurter GrünGürtel ist ein erfolgreiches Projekt und wichtiger Bestandteil der Stadt Frankfurt. Seine Verfassung ist historisch und einzelne Programme wurden vielfach ausgezeichnet.

Dennoch sind nicht alle Ziele, die 1991 gesetzt wurden, heute erfüllt. Das Ideal des "offenen Raumes", der von allen Bürgern genutzt wird, ist noch nicht erreicht. Außerdem stellen sich heute vor dem Hintergrund von globaler Klimaerwärmung und gesellschaftlichem Wandel (Migration, demographische Entwicklung etc.) neue Anforderungen an die Stadtentwicklung. Hier kann der GrünGürtel weitergedacht werden – als sozialer Raum, der sich stark mit der Stadt vernetzt und als klimatische Ressource, die in die Stadt eingreift.

Dazu muss auch die ästhetische Konzeption des GrünGürtels im Spannungsfeld von Stadtraum – Landschaftsraum – Naturraum neu gedacht werden, um die Diskrepanz zwischen Idealbild ("Grün") und Realbild (verstädterter Metropolraum) produktiv zu machen und nicht Erwartungsbilder zu wecken, die nicht eingelöst werden können.

Ausgehend vom GrünGürtel hat die Stadt Frankfurt die Möglichkeit, die Stadtentwicklung vom GrünGürtel aus zu denken und Stadt und GrünGürtel zu verknüpfen, die Qualitäten als Erlebnis- und Erfahrungsraum zu stärken und soziale Ausgleichsflächen neuen Formen der Nutzung und Aneignung zu öffnen – der GrünGürtel als wichtiger Baustein einer freiraumgeprägten urbanen Lebensqualität.