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1976/1977 Peter Rühmkorf

Peter Rühmkorf (* 25. Oktober 1929 in Dortmund, † 8. Juni 2008 in Rosenburg im Kreis Herzogtum Lauenburg; Pseudonyme: Leo Doletzki, Leslie Meier, Johannes Fontara, Lyng, John Frieder, Hans-Werner Weber, Harry Flieder, Hans Hingst) wuchs als Sohn der Lehrerin Elisabeth Rühmkorf, einer Otterndorfer Pastorentochter, in Warstade (heute Ortsteil der Stadt Hemmoor) bei Stade auf und machte am Athenaeum Stade 1951 sein Abitur. Er ist ein Patenkind von Karl Barth. Von 1951 bis 1958 studierte er Pädagogik, Germanistik und Kunstgeschichte, Philosophie und Psychologie in Hamburg. Sein ursprüngliches Studienziel, Volksschullehrer zu werden, gab er nach einigen Semestern auf, das Studium brach er nach einem unangenehmen Zusammenstoß mit Prof. Hans Pyritz ab. Zusammen mit dem Lyriker und Essayisten Werner Riegel gab er bis zu dessen Tod 1956 die hektographierte Zeitschrift Zwischen den Kriegen heraus, als zugleich lyrische und politische Plattform des "Finismus"; in der Rückschau eine der bedeutenden Heftreihen jener Jahre. Er war auch einer der Hauptschreiber im - für die junge widerständische Intelligenz der 1950er Jahren sehr bedeutsamen - Studentenkurier und in dessen Folge-Zeitschrift konkret.

Von 1958 bis 1964 arbeitete Rühmkorf als Verlagslektor im Rowohlt Verlag, danach als freier Schriftsteller und Dichter in Hamburg. Er erhielt zahlreiche literarische Preise und war häufig Gastdozent an deutschen und internationalen Universitäten. Immer wieder trug Rühmkorf seine eigenen Gedichte öffentlich vor (z.T. mit der Jazz-Begleitung von Michael Naura und Wolfgang Schlüter; vgl. Kein Apollo-Programm für Lyrik u.a.m.). In den 1960er Jahren arbeitete Rühmkorf auch als Dramatiker, die drei damals entstandenen Theaterstücke waren jedoch - nicht zuletzt wegen tagespolitischer Konstellationen in beiden Teilen Deutschlands - wenig erfolgreich.

Gastdozent u.a. an den Universitäten Austin, Texas (1969/70) und Essen (1977).
Mitglied des P.E.N. sowie der Akad. der Künste, Berlin, der Dt. Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt, und der Freien Akademie der Künste, Hamburg

1964 heiratete er die Psychologin Eva-Marie Titze, die unter dem Ehenamen Eva Rühmkorf als Leiterin einer Strafanstalt, Gender- und Kultuspolitikerin und als Ministerin in Schleswig-Holstein arbeitete.

Auszeichnungen

  • 1958 Hugo-Jacobi-Preis
  • 1964 Stipendiat der Villa Massimo in Rom
  • 1976 Stadtschreiber von Bergen
  • 1976 Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay

Festredner bei der Verleihung des Literaturpreises Stadtschreiber von Bergen

Walter Jens