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Stadtschreiber von Bergen-Enkheim

"Der Preis von Bergen-Enkheim
ist der schönste.
Er wird nicht von einer
Institution verliehen;
es geben ihn Menschen ..."

(Wolfgang Koeppen, 1977).

Der Stadtschreiberpreis der ehemals selbständigen Stadt Bergen-Enkheim, seit 1977 nach Frankfurt eingemeindet, wurde 1974 eingeführt. Er war der erste dieser Art im deutschsprachigen Raum. Inzwischen hat er viele Nachahmer gefunden. Das hohe Ansehen des Preises resultiert aus der gelungenen Auswahl der Autoren und ihrer herausragenden Bedeutung für die deutschsprachige Literatur. Er beinhaltet die Überlassung des Häuschens "An der Oberpforte 4" für ein Jahr und ein Preisgeld von derzeit 20.000,- €.

Der Initiator des Stadtschreiberamtes war der Schriftsteller Franz Joseph Schneider, Bergen-Enkheimer Bürger und Mitglied der legendären "Gruppe 47". Es war seine Idee, freien Schriftstellern die Möglichkeit zu geben, ein Jahr lang finanziell unabhängig zu leben. Mit dem symbolischen Amt sind keinerlei Verpflichtungen verbunden. "Wer es annimmt, lässt sich darauf ein, hier nichts müssen zu müssen, aber aus freiem Entschluss alles dürfen zu dürfen." (Jörg Steiner, Stadtschreiber 1997/98) Dies hat wesentlich zum Gelingen des Preises beigetragen.

In über vierzig Jahren "Stadtschreiberei" haben sich die Bergen-Enkheimer ihre Autoren im wahrsten Sinne "erlesen" – abgesehen von persönlichen Begegnungen bei Lesungen. Es gibt seit Herbst 1977 einen Volkshochschulkurs, der sich mit den Werken der Preisträger auseinandersetzt. Der Stadtschreiber hat auch die Möglichkeit, andere Schriftsteller oder Künstler einzuladen, um sie dem Publikum zu präsentieren. Diese Gastauftritte sind seit 1978 ein fester Bestandteil des Bergen-Enkheimer Kulturlebens.

Die alljährliche Amtseinführung "Literatur als Volksfest" mit kritischen Festreden ist nicht nur ein Höhepunkt des "Berger Marktes", sondern auch des Frankfurter Literaturbetriebs. Am Freitag vor dem ersten Dienstag im September strömen zum Auftakt des Berger Marktes jedes Jahr über 1000 Zuhörer ins Festzelt. Berühmte Redner waren u.a. Marcel Reich-Ranicki, Günter Grass, Max Frisch, Walter Jens, Alfred Grosser oder Heiner Geißler.

Über die Vergabe des Preises entscheidet eine neunköpfige Jury, bestehend aus drei anerkannten Persönlichkeiten der literarischen Welt, dem Preisträger des Vorjahres und vier sachkundigen Bürgern aus Bergen-Enkheim unter dem Vorsitz des Ortsvorstehers/der Ortsvorsteherin des Ortsbezirks 16.