Logo FRANKFURT.de

Weisbecker, Walter

Walter Robert Weisbecker war der Sohn des Monteurs Andreas Weisbecker und seiner Ehefrau Lina, geb.Rodius. Er hatte acht Geschwister. Bis März 1926 besuchte er die Frauenhofschule in Niederrad und machte anschließend eine Ausbildung zum Notariatsangestellten bei dem Rechtsanwalt Dr. Fr. Lünenburger in der Goethestraße 35. Danach arbeitete er bei dem Rechtsanwalt M. Pinkus und am Roßmarkt 10 in der Kanzlei der Rechtsanwälte Fritz Gutenstein und Siegfried Popper, der später mit seiner Frau und seinen beiden Kindern deportiert und ermordet wurde.

Walter Robert Weisbecker gehörte der KPD an. Im März 1933 wurde er von der Gestapo zum ersten Mal in „Schutzhaft“ genommen. Am 19.2.1935 wurde er erneut verhaftet und vom Oberlandesgericht Kassel wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach Verbüßung der Strafe kam er am 2.8.1941 vom Zuchthaus Kassel-Wehlheiden ins KZ Dachau. Dort wurde er am 9.11.1944 für die SS-Strafbrigade „Dirlewanger“ rekrutiert. Fünf Wochen später lief er zur Roten Armee über.

Am 2.9.1945 wurde Walter Weisbecker aus der russischen Kriegsgefangenschaft entlassen. Er war an Ruhr und Bronchitis erkrankt und wurde zunächst im Städtischen Krankenhaus West in Berlin-Charlottenburg behandelt. Ende September/Anfang Oktober1945 kehrte Walter Weisbecker nach Frankfurt zurück und stand vor dem Nichts. Er kam bei seiner Schwester Philippine unter und musste sich bei Menschen verschulden, die selbst kaum Geld hatten.

Im April 1946 fand er eine vorläufige Beschäftigung beim Großhessischen Ministerium in der Bertramstraße 3 in Wiesbaden. Aber er erhielt kein Gehalt und musste die Fahrtkosten von Niederrad nach Wiesbaden selbst bezahlen. Im Mai und Juni 1946 schrieb er Bittbriefe an seinen Arbeitgeber und das Rückkehrer-Hilfswerk. Am 3.Juli fand man Walter Weisbecker tot in seinem Büro in Wiesbaden auf. Er hatte sich am Fensterkreuz erhängt.

Der Stolperstein wurde initiiert von Rainer Weisbecker, Neffe von Karl und Walter Weisbecker.

Personen
Walter Weisbecker
Geburtsdatum:23.5.1912
Deportation:1935-1945 Zuchthaus, KZ, Strafbataillon
Todesdatum:3.7.1946 (Suizid)
Stolperstein Grundhofstraße 8 Walter Weisbecker © Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main
Dieses Bild vergrößern.