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Europäische Charta für Gleichstellung

"Ein weiterer Schritt zur Weiterentwicklung der Geschlechterdemokratie in Frankfurt"

Am 1. März 2012 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, dass auch Frankfurt die Charta für die Gleichstellung von Männern und Frauen auf lokaler Ebene unterzeichnet.

Die damalige Bürgermeisterin Jutta Ebeling und Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Bernadette Weyland taten dies am 8. März 2012, dem Internationalen Frauentag.

Die Charta wurde in den Jahren 2005 und 2006 vom "Rat der Gemeinden und Regionen Europas" unter Mitarbeit des Frankfurter Frauenreferates entwickelt und seither von mehr als 1000 europäischen Städten angenommen und unterzeichnet. Bundesweit haben bisher über 20 Städte und Gemeinden unterschrieben, darunter Köln, Stuttgart, Hannover und Nürnberg, europaweit mehr als 1000, darunter Wien, Brüssel, Madrid, Helsinki, Paris, Athen, Rom, Stockholm und Zürich.

Bürgermeisterin Jutta Ebeling: "Mit der Unterzeichnung der Charta wollen wir einen weiteren Schritt machen zur Weiterentwicklung der Geschlechterdemokratie in unserer Stadt. Mit der Unterzeichnung verpflichten wir uns dazu, ein speziell für Frankfurt entwickeltes Gesamtkonzept zur Frauenförderung und Geschlechterdemokratie vorzulegen."

Innerhalb von zwei Jahren soll nun unter der Federführung des Frauenreferates ein Gleichstellungs-Aktionsplan erarbeitet werden, der ganz speziell auf die Frankfurter Situation zugeschnitten ist. Die bestehende Infrastruktur der Frauenförderung und Gleichstellung wird einbezogen, bewertet, auf ihre Aktualität und Praxistauglichkeit überprüft und ergänzt. Bestehende Lücken sollen geschlossen werden. Die derzeitigen Konzepte werden auch mit Fachleuten und ExpertInnen von außerhalb auf den Prüfstand gestellt.

Frauen sind in wichtigen Sektoren wie der Wirtschaft, Wissenschaft und in vielen Institutionen zwar stark vertreten, aber sie erreichen selten Spitzenpositionen. Politik und Verwaltung nehmen hier eine Vorreiterrolle ein, sind aber keineswegs repräsentativ für alle Bereiche. Auch bei den Kapitalgesellschaften, an denen die Stadt mehrheitlich beteiligt ist, finden wir relativ viele Frauen ganz oben: Immerhin zu einem Drittel haben Frauen hier den Aufsichtsratsvorsitz.

Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Bernadette Weyland: "Dass mehr Frauen an die Spitze müssen – darin sind wir uns einig. Dass wir noch mehr für die Gleichstellung von Männern und Frauen tun müssen, halte ich auch deshalb für wichtig, weil der Wettbewerb unter den Städten – und nicht nur den deutschen Städten – größer wird."

Frauen verdienen in Deutschland noch immer im Durchschnitt 23% Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Der Unterschied zwischen dem Vollzeit-Bruttoarbeitsentgelt von Männern und Frauen in Frankfurt lag 2010 bei fast 900 Euro.

Ein weiterer Schwerpunkt der Frankfurter Gleichstellungspolitik ist die eigenständige Existenzsicherung von Frauen. "Dazu gehört eine verlässliche Kinderbetreuung", meint Ebeling. Das Angebot an Plätzen zur Kinderbetreuung sei deutlich gewachsen. Dies sei ein wichtiger Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer und für ein gutes Gelingen von Partnerschaft in der Kindererziehung.

"Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist noch immer ein Problemfeld für viele Frauen." erläutert Weyland. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern liege Deutschland damit auf den hinteren Rängen. Dies beträfe Frauen und Männer, es beträfe deren Kinder und es beträfe die Eltern, die gepflegt werden müssen. Ziel sei ein umfassendes Angebot für beide Geschlechter in Frankfurt am Main, das sowohl während der Familienphase als auch beim Wiedereinstieg in den Beruf wirksam wird.

"Frankfurt will das bisher Erreichte fortführen und weiter entwickeln. Wir wollen weiterhin frauen- und gleichstellungspolitisch auf der Höhe der Zeit bleiben und durch den Austausch mit anderen Europäischen Städten und deren Best-Practice-Beispielen auch unsere Möglichkeiten weiter ausschöpfen", bekräftigt Ebeling die frauenpolitischen Ziele Frankfurts.

Weyland ergänzt: "Damit wollen wir die positiven Veränderungen sichern und Neues anstoßen. Die Städte und Kommunen als unmittelbares Lebensumfeld der Menschen sind besonders geeignet, die Fortdauer und Neubildung von Ungleichheiten zu bekämpfen und Gleichberechtigung einzufordern."

Ebeling äußerte sich abschließend zur Charta: "Die Europäische Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern gibt uns den Rahmen, um durch den Diskurs über die praktische Unterstützung von Frauen im Austausch mit anderen Städten weiter zu kommen. Die Charta soll aber auch nach innen ein Zeichen setzen: Die gesamte Fraueninfrastruktur will und wird sich an dem Gesamtkonzept für Frankfurt beteiligen. Und noch ein wichtiges Signal geht von der Charta am heutigen Internationalen Frauentag aus: Wir dürfen nicht nachlassen im Einfordern der Geschlechtergerechtigkeit. Jeder Stillstand bedeutet einen Rückschritt, das hat uns die Geschichte der Frauenbewegung gelehrt."